Laut der Statistik hatte Innsbruck im Vorjahr 132.499 Einwohner:innen. Bislang gab es keine systematische Erfassung der Wohnungslosigkeit in der Stadt. Frühere Zählungen beschränkten sich auf einzelne Einrichtungen. Erstmals steht nun eine umfassende Erhebung zur Wohnungslosigkeit zur Verfügung. Durch die Einbindung von Straßensozialarbeit, Tageszentren, Notschlafstellen, Beratungsstellen sowie Übergangsunterkünften ergibt sich nun ein vollständiges Bild.
Im Rahmen der EU-weiten Studie „European Homelessness Counts“ waren im Vorjahr 1.246 Erwachsene und 133 Kinder, also etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung, wohnungslos. Den Daten zufolge lebten 175 Menschen im öffentlichen Raum. Knapp neun Prozent waren in Notschlafstellen untergebracht, fast ein Viertel wohnte in Übergangs- oder anderen vorübergehenden Unterkünften. Die größte Gruppe – mehr als 42 Prozent – fand vorübergehend bei Verwandten oder Freund:innen Unterschlupf und gilt nach europäischer Definition ebenfalls als obdachlos.
Besonders besorgniserregend ist, dass viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Gezählt wurden 133 Kinder, die in Begleitung Erwachsener derzeit ohne feste Unterkunft sind; rund 37 Prozent aller erfassten Menschen ohne Wohnung in Innsbruck waren zwischen 18 und 29 Jahre alt. Das Ausmaß ist also weitaus größer als bisher angenommen.
Gemeinderat und Stadtsenat stehen vor einer Herausforderung, jedoch muss das Problem auch auf höherer Ebene angegangen werden. Da der Zugang zu Wohnraum für so viele Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, erschwert ist, ist auch das Land Tirol und insbesondere die Landesregierung aufgefordert, ihre Politik so anzupassen, dass ausreichend bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht.
Aber die lange Wartelisten auf günstige Gemeindewohnungen zeigen derzeit leider das gegenteilige Bild.
(Quelle: ORF)
