Über 2.000 Menschen nahmen am 1. Mai an der traditionellen Bündnis-Demonstration teil, zu der mehr als zwanzig Organisationen aufgerufen hatten. Gemeinsam protestierten sie gegen Faschismus, den Abbau sozialer Sicherheiten und sprachen sich für eine Vermögenssteuer aus.
Der Demonstrationszug führte vom Landhausplatz durch die Innsbrucker Innenstadt bis zum Waltherpark, wo im Anschluss ein gemeinsames Fest stattfand. Unter den aktiven Teilnehmer:innen waren auch Mitglieder der Gewerkschaftlichen Linken (GL) und des Gewerkschaftlichen Linksblocks (GLB) vertreten.
Der Auftakt der Veranstaltung fand am Landhausplatz in Innsbruck statt, wo Josef Stingl, stellvertretender Bundesvorsitzender und Mitglied des ÖGB-Bundespensionist:innenvorstands, als Gastredner geladen war. In seiner Rede zeigte er sich beeindruckt von der Vielfalt und dem Engagement der bunten Kulisse der Teilnehmer:innen. Zum Beginn seiner Ansprache sprach er seine Solidarität mit unterdrückten und inhaftierten Gewerkschafter:innen in der Türkei sowie weltweit aus.
Im weiteren Verlauf kritisierte Stingl die aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen „Baustellen“, die seiner Einschätzung nach vom Kapitalismus und den herrschenden Eliten in Österreich verursacht werden. Er thematisierte unter anderem Arbeitsplatzverluste, wie die jüngsten Kündigungswellen bei Swarovski und Sandoz, die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt, geprägt von unerschwinglichem Wohnraum, Leerständen sowie Spekulationen, und schließlich die Budgetsanierungen auf dem Rücken von Arbeitenden, Pensionist:innen, Studierenden sowie Schüler:innen. Er betonte, dass sich Österreich von einer Krise in die nächste schlitete, wobei stets die Arbeitenden als Verlierer:innen dastehen, während Reiche und große Konzerne als Gewinner hervorgehen.
Als Lösungsvorschläge forderte Stingl unter anderem eine Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohn- und Personalausgleich, höhere Einkommen, ein armutsfestes Sozialsystem, bezahlbaren Wohnraum sowie einen aktiven Einsatz für den Frieden – seiner Meinung nach die Grundlage von allem. Er rief die Bundesregierung dazu auf, eine aktive Neutralitätspolitik zu verfolgen.
Zum Abschluss seiner Rede wies Stingl darauf hin, dass das Argument der „Unfinanzierbarkeit“ sozialpolitischer Forderungen eine bewusste Täuschung des Kapitals und der herrschenden Klassen sei. Er betonte, dass „die Geldspeicher der österreichischen Dagoberts prall gefüllt sind und steuerlich weiterhin verschont werden“. In diesem Zusammenhang appellierte er an die Anwesenden, die parlamentarische Bürger:inneninitiative „Vermögenssteuer jetzt!“ zu unterstützen.
Das anschließende 1.-Mai-Fest bot eine weitere Gelegenheit, für diese Initiative Unterstützung zu gewinnen – was von vielen Demonstrant:innen und Besucher:innen wahrgenommen wurde.
