ESC 2026: Wer profitiert, wer bezahlt?

Wien und Innsbruck bewerben sich um die Austragung des Eurovision Song Contests (ESC) 2026. Über den erwarteten Veranstaltungskosten liegt ein Schleier von Intransparenz und Geheimhaltung.  Foto: MrSilesian/CC0

Wien und Innsbruck bewerben sich um die Austragung des Eurovision Song Contests (ESC) 2026. Über den erwarteten Veranstaltungskosten liegt ein Schleier von Intransparenz und Geheimhaltung.  Innsbrucks Stadtverantwortliche geben unbelegt knapp unter 20 Millionen Euro an. Die Stadt Graz erwartete Kosten um die 30 Millionen Euro und hat daher von einer Bewerbung Abstand genommen und Wien verzichtet überhaupt auf eine öffentliche Kostenschätzung.

Fix ist, dass in Basel die ESC-Ausgaben bei über 60 Millionen Euro liegen, ebenso fix ist, dass vor zehn Jahren die ESC-Veranstaltung in Wien 17,1 Millionen Euro gekostet hat. Rechnet man die seitdem angefallene Inflationsrate von 26 Prozent dazu, kommt man schon auf ein Kostenvolumen von 21,5 Millionen Euro. Noch nicht eingerechnet sind die immer höheren geforderten Infrastruktur- und Technikkosten, die in Basel die Kosten auf rund 60 Millionen Euro hochschnellen ließen.  

Die Einen zahlen, die Anderen kassieren 

Den Kritiker:innen wird Kleingeisterei vorgeworfen – denn die Kosten seien das Eine, aber die Einnahmen aus Umwegrentabilität, nämlich der Werbung und des Tourismus, sei das Andere. Nur die Einen, die Bewohner:innen von Wien oder Innsbruck, die zahlen: aus ihrem Steuergeld und mit einem riesigen Vor-Ort-Kollaps bei Mobilität und Lebenskosten. Die Anderen, die Tourismus- und Hotelleriebranche, kassieren. Ein Blick in diverse Hotel-Booking-Seiten beweist es: Im Zeitraum des ESC explodieren bereits jetzt die Zimmerpreise.

Freuen kann sich auch der ORF.  Er ist beim ESC an eine Reihe von Vereinbarungen zwischen der Europäischen Rundfunkunion (EBU), die den ESC organisiert, und den einzelnen teilnehmenden Rundfunkanstalten gebunden. So ist die TV-Anstalt des Siegerlandes zur Austragung des nächsten ESC-Events mit der  Bereitstellung der Infrastruktur, der technischen Anforderungen, der Logistik und der Finanzierung verpflichtet. Hätte sich niemand für die Austragung beworben, blieben alle Kosten beim  ORF hängen.

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