Die Armutsgefährdung und das Armutsrisiko in Österreich haben laut den neuesten Daten der Statistik Austria zugenommen. Fast jede fünfte Person (18,8 %) in Österreich ist bereits von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.
Zwei Studien von Statistik Austria erläutern die Hintergründe. Eine Konsumerhebung zeigt, dass die Haushaltsausgaben pro Person etwa 2.760 Euro monatlich betragen. Neben den regelmäßigen Kosten für Lebensmittel und Miete sind auch größere Ausgaben, wie ein Autokauf, anteilig enthalten.
“Bei größeren Anschaffungen werden die Ausgaben oft nicht alleine aus dem laufenden Einkommen gedeckt, sondern durch Erspartes, Sonderzahlungen, Erbschaften oder auch Kredite und Ratenzahlungen finanziert,” erklärt Statistik Austria in einer Pressemitteilung.
Angesichts des durchschnittlichen Einkommens im Vergleich zu den durchschnittlichen Haushaltsausgaben ergibt sich ein negatives Bild. Das jährliche Brutto-Medianeinkommen beträgt 38.043 Euro. Von einem monatlichen Bruttoeinkommen von 2.719 Euro bleiben laut AK-Brutto-Netto-Rechner nach Abzug der Steuern und SV-Beiträge nur 2.008 Euro netto übrig, was ein monatliches Minus von 700 Euro bedeutet. Daher überrascht es nicht, dass selbst in der sogenannten Mittelschicht unvorhergesehene Ausgaben wie eine Reparatur oder der Neukauf einer Waschmaschine oft zu finanziellen Schwierigkeiten führen.
Je niedriger das Einkommen, desto größer ist der monatliche Fehlbetrag für ein angemessenes Leben. Um die Differenz auszugleichen, müssen oft das 13. und 14. Monatsgehalt, Kontoüberziehungen, Kredite oder sogar der Verzicht auf Lebensqualität herhalten, was schließlich zur Gefährdung durch Armut oder zu Armut selbst führt. Hier schließt sich der Kreis zu der steigenden Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung in Österreich.
