Der erhebliche Wohlstand einer kleinen Elite hat ein beunruhigendes Niveau erreicht, das sowohl weltweit als auch in Österreich sichtbar ist. Im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern nimmt Österreich hinsichtlich der Vermögenskonzentration eine Spitzenposition ein: Das wohlhabendste Prozent der Haushalte hält beinahe die Hälfte des gesamten Nettovermögens, während die finanziell schlechter gestellte Hälfte der Bevölkerung lediglich drei Prozent besitzt.
Der „Global Wealth Report“ der Boston Consulting Group (BCG) zeigt ein noch klareres Bild: Die 500 reichsten Österreicher:innen verfügen über beeindruckende 39 Prozent des nationalen Finanzvermögens. Während ihre Konten stetig anwachsen, vergrößert sich auf der anderen Seite die Zahl der Menschen im unteren Einkommensfünftel, die von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind. Laut Statistik Austria wird diese Zahl bis 2025 auf 1.686.000 Personen ansteigen – ein Zuwachs von 18,6 Prozent.
Wende in Sicht?
Ganz im Gegenteil: Die Kluft zwischen den Wohlhabenden und den finanziell benachteiligten Schichten wird Experten zufolge weiter wachsen. BCG betont, dass das Kapital der Wohlhabendsten stark zulege, da sie ihre finanziellen Mittel diversifiziert und ertragreich investieren können. Dieses Muster fördert den strukturellen Aufbau von Vermögen. Bis 2030 prognostiziert diese international renommierte Unternehmensberatung eine Zunahme des österreichischen Nettovermögens um weitere 20 Prozent auf rund 3,5 Billionen Dollar.
Diese Entwicklung wird auch durch eine Studie von Attac gestützt. Laut ihren Ergebnissen verdoppeln österreichische Milliardäre ihr Vermögen im Durchschnitt alle sieben Jahre. So ist das Vermögen der zehn reichsten Österreicher:innen zwischen 2002 und 2023 von 24 Milliarden auf beeindruckende 110 Milliarden Euro angewachsen. Insgesamt stieg das Gesamtvermögen der hundert reichsten Personen in demselben Zeitraum von 46 auf stolze 212 Milliarden Euro – eine Verfünffachung innerhalb von gut zwei Jahrzehnten.
Gefährdung demokratischer Werte
Die voranschreitende Konzentration von Vermögen gefährdet nicht nur die soziale Stabilität, sondern auch die demokratische Ordnung in Österreich. Bereits heute weist das Land eine stärkere Vermögenskonzentration auf als jedes andere westeuropäische Land. Die reichsten Bürger:innen profitieren dabei nicht nur von ihrem enormen Besitz, sondern gewinnen auch unverhältnismäßigen Einfluss auf wirtschaftliche und politische Entscheidungen – oftmals fern jeder demokratischen Kontrollmöglichkeit.
Derartige Machtballungen können demokratische Grundlagen massiv aushebeln. Verschiedene Dokumente und Studien belegen, wie die finanzielle Elite ihre Interessen durch Lobbyarbeit, gezielte Förderungen politischer Parteien, Kontrolle über Medien, Unterstützung von Denkfabriken oder sogar durch korrupte Praktiken durchsetzt – häufig zum Nachteil der breiten Bevölkerung. Dies führt zunehmend dazu, dass sich viele Bürger:innen von den politischen Prozessen entfremden, sich aus der aktiven Partizipation zurückziehen oder sogar antidemokratische Bewegungen unterstützen.
Vermögensbesteuerung jetzt!
Die alarmierende Ungleichverteilung macht eines deutlich: Der aktuelle Zustand ist aus sozialer und demokratischer Perspektive nicht akzeptabel. Eine dermaßen extreme Vermögenskonzentration ist für die Gesellschaft nicht tragbar und erfordert nachhaltige Gegenmaßnahmen. Ein gerechter steuerlicher Mechanismus zur Umverteilung des Reichtums ist unerlässlich, einschließlich der Einführung einer Vermögenssteuer. Dies wäre ein entscheidender Schritt zu einem ausgewogeneren und sozial gerechteren Österreich. Die Unterstützung der parlamentarischen Bürger:inneninitiative “Vermögenssteuer jetzt” ist eine Möglichkeit dazu.
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