„Fette Katzen“ & „Arme Mäuse“ 

Jedes Jahr errechnet die Arbeiterkammer (AK) den sogenannten „Fat Cat Day“. Es ist jener Tag, an dem Vorstandsvorsitzende der größten börsennotierten Unternehmen bereits so viel verdient haben wie durchschnittliche Lohn- und Gehaltsabhängige im gesamten Jahr. 

Der „Fat Cat Day“ verdeutlicht eindrucksvoll, wie ungerecht die Einkommen verteilt sind. Viel zu viele sind trotz Arbeit in „ÖsterREICH“ ARM, immerhin acht Prozent aller arbeitenden Menschen müssen mit einem Erwerbseinkommen unter der Armutsschwelle auskommen. Bei den 331.000 Working Poors handelt es sich vorwiegend um Frauen. 

Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich die „Fat Cats“. Die zwanzig „fettesten Katzen“ mit einem durchschnittlichen Stundenlohn von 699 Euro mussten nur 51 Stunden, also bis zum 8. Jänner arbeiten, um das Jahres-Medianeinkommen der österreichischen Beschäftigten zu erreichen. 

Bei den Bezügen wurde dafür die durchschnittliche Vergütung 2022 der Vorstandsvorsitzenden in zwanzig Unternehmen des Leitindex der Wiener Börse (ATX) verwendet. Im Durchschnitt haben die ATX-Vorstandsvorsitzenden 2022 rund 2,7 Mio. Euro verdient und somit 75mal mehr als das Medianeinkommen der österreichischen Beschäftigten. Jenes lag nämlich bei knapp 36.000 Euro.

Wer sind diese „Fat Cats“?

Unter den Top-20 ATX-Vorstandsvorsitzenden ist BAWAG-Chef Anas Abuzaakouk der Leader. Mit einem Gehalt von rund 9,4 Millionen Euro im Jahr 2022 dauert es für ihn 1,2 Arbeitstage, bis er sich das mittlere Jahreseinkommen eines österreichischen Beschäftigten einverleibt hat. 

Der zweite Platz geht an den Vorstand des Kartonherstellers Mayr Melnhof Peter Oswald. Seine Jahresvergütung betrug 5,6 Millionen Euro. Er braucht somit nur zwei volle Arbeitstage für die Erreichung des Medianeinkommens. Zweieinhalb Tage dafür braucht der drittgereihte voest- alpine-Chef Herbert Eibensteiner mit einer Jahresgage von 4,5 Millionen Euro.

Schlusslicht der Top 20 bildet mit Radka Doering die einzige Frau der eigentlich 20-köpfigen „Fette-Kater- Liste“. Sie musste sich bis Ende Jänner (genau 24 Arbeitstage und 10 Arbeitsstunden) gedulden, bis sie ein Jahres-Medianeinkommen der österreichischen Beschäftigten ihr Eigen nennen konnte.

Ein neues Phänomen ist das ungleiche Verhältnis der Einkommen der „fetten Kater“ zu den der „armen Mäusen“ nicht. Auch in den vergangenen Jahren feierten die „Fat Cats“ knapp nach Jahresbeginn ihren prall gefüllten Napf: Im Jahr 2020 am 8. Jänner, in den Jahren 2021 und 2022 am 9. Jänner und im Vorjahr gar am 5. Jänner.

Bezeichnend für diese Ungeheuerlichkeit der kapitalistischen Normalität ist die Stellungnahme der Industriellenvereinigung (IV). Während der IV die zahlreichen Armutslöhne und -gehälter „am Arsch vorbei gehen”, können sie dem „Fat Cat Day“ wenig abgewinnen. Die AK schüre damit nur eine Neiddebatte und würde die Top-Manager und -Managerinnen (bekanntlich befindet sich nur eine Frau unter den Top 20) „an den Pranger stellen“. Sie alle würden mit ihrer Lohnsteuer viel zum Gemeinwohl Österreichs beitragen. Ihre ausgebeuteten Minder-Entlohnten tun das vielleicht nicht?

(Erstveröffentlichung in der GLB-Zeitschrift „Die Arbeit“ Nr. 1/2024)

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1 Kommentar

  1. Das Geld ist nichts mehr wert. Die Gelddruckerei ist das Problem. Alles wird weginflationiert. Sparen macht keinen Sinn mehr. Es geht nur ums nackte Überleben. Die EZB versagt auf ganzer Linie. Das Fiat-Geldsystem ist defacto am Ende. Der Kapitalismus wird nicht überleben, wenn die Klimakrise ersteinmal voll eingepreist wird. Die Schulden zahlt sowieso niemand zurück.

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