Widersprüchlich oder bauernschlau?

Eine Studie des SORA-Instituts ergab, dass Menschen über 50 Jahre und Langzeitarbeitslose seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werden als jüngere Bewerber:innen. Bei zwölf Prozent der Bewerbungen kam es zu einer Ungleichbehandlung aufgrund des Alters, bei sieben Prozent aufgrund von Langzeitarbeitslosigkeit.

Widersprüchlich hört sich dazu das „Sorgenheft” der Wirtschaftskammer an: Es fehlt an den nötigen Arbeits- und Fachkräfte. Zehntausende offene Stellen können in Österreich derzeit nicht besetzt werden.  66 Mangelberufe standen 2022 auf der bundesweiten Liste, 2023 sind es schon 100. Was hinter diesem offensichtlichen Widerspruch steckt, verrät eine Aussendung des schwarzen Tiroler Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser. Bauernschlau verlangt „arbeitswillige Pensionist:innen, die lediglich unfallversichert” sind. Um Zustimmung zu erhaschen, hat er sein Anliegen mit dem Mascherl „Brutto für Netto“ geschönt. 

Die Wirtschaftskammer und freiwillig höhere Einkommen – das ist einfach lächerlich. Bei genauer Betrachtung merkt man schnell, um was es den schwarzen Wirtschaftskammer geht. Durch den Wegfall von Sozialversicherungsbeiträgen und der Lohnsteuer werden auch die Lohnnebenkosten fast gänzlich obsolet. Zumindest diesen Betrag stecken sich die Unternehmen und Kapitalgesellschaften „Eins zu Eins” als zusätzlichen Profit, bzw. zusätzliche Dividende ein. 

Nebenbei hätte eine solche Regelung auch einen anderen Vorteil für die Unternehmen. Sie benutzen die „billigeren Pensionist:innen” gegen die „teureren Regelbeschäftigten” zum gegeneinander auszuspielen. Und sollte irgendwann der Verfassungsgerichtshof diese Ungleichbehandlung aufheben, dann ist es nicht ausgeschlossen, dass bei der „Reparatur“ ein österreichischer Weg des „Sozialausgleich” gegangen wird. 

Übersetzt heißt das dann Kompromiss durch sinkende Lohnnebenkosten für alle – oder anders gesagt noch mehr Profit und zusätzliche Dividenden für die Gesellschafter:innen.

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