Zur Eröffnung des Opernballs wird traditionell mit dem Ruf „Alles Walzer“ gestartet. Bei der Feier zum 70-jährigen Bestehen der FPÖ lautet das Motto hingegen wohl besser „Alles Einzelfälle“. Bereits im Vorfeld passierte ein bemerkenswerter Fauxpas: Auf einem Einladungsposter schlich die KI einen Mann im Dirndl ein. Pikant ist das vor allem, da der Vorfall im Pridemonat Juni stattfand, einer Zeit, in der die blauen Politiker:innen oft mit fragwürdigen, ausgrenzenden und diskriminierenden Aussagen gegenüber LGBTQIA+-Personen auffallen. Im Gegenzug ein ironisches KI-generiertes Bild, dass Herbert Kickl und Dagmar Berlakovich in Dirndl und Trachtenanzug beim Eröffnungstanz zeigt.
Die Geschichte der FPÖ, die sich selbst nur allzu gerne als Opfer von „Einzelfall“-Vorwürfen präsentiert, reicht bis tief in nationalistische und rechtsextreme Kreise zurück. Angefangen hat alles mit Anton Reinthaller, einem ehemaligen Nationalsozialisten. Ihm folgten Persönlichkeiten wie Friedrich Peter, Jörg Haider und der aktuelle Parteichef Herbert Kickl sowie viele andere, die wegen ihrer rechtsextremen oder provokativen Äußerungen immer wieder in die Schlagzeilen gerieten. Doch nicht nur in der Führungsriege der Partei reiht sich Skandal an Skandal – auch in den unteren Reihen der FPÖ bleibt der Begriff „Einzelfälle“ ein Dauerthema.
Beispiele gibt es zuhauf: Vom FPÖ-Parlamentspräsidenten Rosenkranz und seinem wegen Wiederbetätigung verurteilten Büroleiter, oder dem Gudenus und seine berüchtigten „heilheil“- und „seilseil“-Passwörter – die Liste ließe sich endlos weiterführen. Eine Übersicht über ganze 123 dokumentierte Vorfälle wurde bereits veröffentlicht und zeigt auf, wie tief problematische Haltungen und rechtsextreme Tendenzen in der FPÖ verwurzelt sind.
Das Fazit drängt sich auf: Die unzähligen „Einzelfälle“ sind keineswegs bloß Jugendsünden oder bedauerliche Ausnahmen. Vielmehr handelt es sich um ein strukturelles Problem, das nach wie vor tief in der DNA dieser Partei verankert ist. Angesichts dieser Tatsachen wäre ein Verbot der rechtsextremen FPÖ zweifellos eine Maßnahme von dringender Notwendigkeit.
