Der französischen Königin Marie Antoinette wird der Satz „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen“ nachgesagt. Die Junge Industrie verhält sich nun ähnlich. Im Zusammenhang mit dem Equal Pension Day wird jedes Jahr die ungleiche durchschnittliche Pensionshöhe zwischen den Geschlechtern kritisiert. Österreichs Pensionistinnen müssen rechnerisch bis zum Jahresende warten, um die durchschnittliche Männerpensionshöhe von Jahresbeginn bis zum 9. August zu erreichen.
Hier passt die Anekdote von Marie Antoinette: Die Junge Industrie fordert in einer Aussendung, die Pensionslücke durch private Vorsorge zu schließen. „Gerade für alle, deren Erwerbsbiografie Lücken aufweist, ist die dritte Säule die große Chance, selbstbestimmt vorzusorgen und die eigene Pensionslücke zu schließen“, sagt Eduard Fröschl, der Bundesvorsitzende der Jungen Industrie. Doch mit welchem Geld? Als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung von Swarovski und Geschäftsführer in der Fröschl Firmenfamilie kann er sich vermutlich schwer vorstellen, dass es Beschäftigte gibt – insbesondere Frauen – die schon für den täglichen Lebensunterhalt kaum aufkommen können und daher kein Geld für private Vorsorge übrig haben.
Um das zu ändern, müssten die Jungindustriellen gemeinsam mit ihren Altvorderen erst einmal vor ihrer eigenen Tür kehren. Sie tragen Verantwortung für Niedriglöhne und Teilzeitgehälter. Sie drängen bei jeder KV-Verhandlung auf die Senkung der Realeinkommen und sind für geschlechterspezifische Lohn- und Gehaltsunterschiede verantwortlich, während sie sich vehement gegen mehr Lohntransparenz wehren.
