Rund 5.000 Menschen kehren der Diözese Innsbruck jedes Jahr den Rücken. Mit schwindenden Kirchenbeiträgen sieht sich die römisch-katholische Glaubensgemeinschaft gezwungen, nach alternativen Einnahmequellen zu suchen, um ihre Sakralbauten zu erhalten.
In Hötting geht Bischof Hermann Glettler deshalb einen innovativen Weg: In Hötting wird die Kirche Petrus Canisius seit Mai mit einem Budget von 2,8 Millionen Euro unter der Federführung des ehemaligen Vorarlberger Profi-Kletterers und Sport-Visionärs Guntram Mattle in eine moderne Kletterhalle umgebaut.
Was zunächst wie ein Scherz aus der Höttinger Nudl klingt, ist Realität. Ebenso die geplante Eröffnung im November lässt sich nicht auf den 11.11 zum Beginn der närrischen Zeit zurückführen. Trotz der Umnutzung müssen Gläubige jedoch nicht auf die Kirche verzichten: Zwar wurde das Gotteshaus bereits profaniert – sprich entweiht –, doch der Altar bleibt der gewehte, spirituelle Mittelpunkt des Gebäudes. An jedem Sonntagabend sollen weiterhin Gottesdienste gefeiert werden, während die Kletterer in dieser Zeit pausieren müssen.
Zur Frage, ob der neue gastronomische Bereich im südlichen Teil des Kirchengebäudes während der Speisung mit dem Leib und Blut Christi , besonders bei gereichten alkoholischen Getränken, ebenfalls geschlossen bleibt, gab es noch keine offiziellen Aussagen. Allerdings passen Speis und Trank beim Kirchenwirten zur langen Tradition abendländischen Gesellschaft.
Bischof Glettler hat hohe Erwartungen an das innovative Konzept: Gerade junge Menschen sollen für die Verbindung von sportlicher Betätigung und sakraler Atmosphäre gewonnen werden. “Sport ist für junge Menschen eine Art Religion”, so der Bischof. Aber auch die ältere Generation zeigt sich offen – die Leiterin des Pfarr-Seniorenkreises hat bereits angekündigt, gemeinsam mit ihrer Gruppe das Bouldern auszuprobieren. Und das, bei gewohntem Ambiente, denn die Kreuzwegbilder bleiben erhalten.
Dem Weg der Braven und Guten „zum Himmel“ steht also nicht mehr im wege. Aber was ist mit den Schlimmen und Bösen. Vielleicht könnte man die Boulderhalle auch mit einem Abstieg in die Tiefe mitplanen, damit sie dem höllischen Beelzebub ebenfalls näherkommen können.
